Mikrokredit ist nicht gleich Mikrokredit
Historisch stammt der Mikrokredit aus der Entwicklungsfinanzierung: Kleinstdarlehen an Menschen ohne Zugang zu Banken, bekannt geworden durch die Grameen Bank von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. In Deutschland haben sich daraus zwei getrennte Produktwelten entwickelt:
| Mikrokredit für Unternehmen | Mikrokredit für Privatpersonen | |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Gründer, Solo-Selbstständige, Kleinstunternehmen | Angestellte mit kurzfristigem Geldbedarf |
| Summen | 1.000 bis 25.000 Euro | 100 bis 3.000 Euro |
| Vergabe | Mikrokreditfonds Deutschland über akkreditierte Mikrofinanzinstitute (Neuvergabe nur bis 30.06.2026) | Fintechs und Kurzzeitkredit-Anbieter mit Partnerbank |
| Zins | 8,1 % p. a. plus 130 € Abschlussgebühr | 3 bis 15 % p. a. plus optionale Gebühren |
| Laufzeit | bis 4 Jahre | 30 Tage bis 6 Monate |
Weg 1: Mikrokreditfonds Deutschland für Selbstständige
Der Mikrokreditfonds Deutschland war bis zum 30. Juni 2026 ein Programm des Bundes (getragen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales) für Existenzgründer und Kleinstunternehmen, bei denen der klassische Bankkredit scheitert, weil die Summe zu klein oder die Historie zu kurz für die Hausbank ist. Das ist der Grundgedanke der internationalen Mikrokredit-Bewegung, übertragen auf deutsche Förderregeln. Die Vergabe lief nicht über die Bank direkt, sondern über akkreditierte Mikrofinanzinstitute, die den Fall betreuten und die Empfehlung aussprachen; die Auszahlung übernahm die GRENKE Bank. Die Kreditsumme konnte schrittweise wachsen, ein Folgekredit setzte sechs Monate störungsfreie Tilgung voraus, insgesamt waren bis 25.000 Euro möglich. Statt harter Sicherheiten arbeiteten viele Institute mit Bürgschaften aus dem persönlichen Umfeld. Seit dem 1. Juli 2026 vergibt der Fonds keine neuen Kredite mehr, bestehende Kredite laufen regulär weiter.
Für Selbstständige, die größere Summen oder ein Geschäftskonto suchen, lohnt zusätzlich der Blick in unser Banken-Ranking mit den Geschäftskonto-Anbietern.
Weg 2: Mikrokredit für Privatpersonen
Suchst du als Privatperson einen Mikrokredit, landest du beim Kurzzeitkredit: kleine Summe, kurze Laufzeit, digitale Prüfung. Das Produkt ist identisch mit dem Minikredit, dort findest du den ausführlichen Kosten-Check inklusive der Express-Gebühren-Falle. Bei 30 Tagen Laufzeit ist der Zins fast egal, teuer sind Express-Auszahlung und Ratenoptionen. Wer die Zusatzoptionen abwählt, bekommt ein faires Überbrückungsprodukt.
Voraussetzungen und Bonität
- Unternehmen: tragfähiges Geschäftsmodell, Beratungsgespräch beim Mikrofinanzinstitut, keine harten Insolvenzmerkmale. Die Plausibilität des Vorhabens zählt mehr als die Schufa.
- Privatpersonen: regelmäßiges Einkommen, deutsches Konto, Schufa-Prüfung mit Kontoblick. Weiche Negativmerkmale sind oft kein Ausschluss, Details auf der Seite Kredit trotz Schufa.
Mikrokredit beantragen: der Weg für Gründerinnen und Gründer
Neue Anträge beim Mikrokreditfonds sind seit dem 1. Juli 2026 nicht mehr möglich; bis dahin lief der Antrag in drei Schritten: Zuerst suchst du dir ein akkreditiertes Mikrofinanzinstitut in deiner Region (die Liste führt der Fonds bundesweit). Dann folgt das Gespräch über dein Vorhaben: Businessplan light, Kapitalbedarf, geplante Rückzahlung aus dem laufenden Geschäft. Das Institut kennt die Realität junger Selbstständigkeit und bewertet die Person und das Geschäftsmodell, nicht nur Zahlen. Nach positiver Empfehlung zahlt die Partnerbank die Kreditsumme aus, als Kreditnehmer tilgst du in monatlichen Raten über bis zu 48 Monate. Wer pünktlich zahlt, qualifiziert sich für Folgekredite mit höheren Summen, so wächst die Finanzierung mit dem Unternehmen.
Seriosität: daran erkennst du gute Anbieter
Für beide Welten gilt dieselbe Regel: Keine Kosten vor der Auszahlung. Seriöse Mikrofinanzinstitute rechnen über den Zins ab, seriöse Kurzzeitkredit-Anbieter über Zins und klar ausgewiesene Optionsgebühren. Vorkasse, Beratungsverträge gegen Gebühr oder garantierte Zusagen ohne Prüfung sind Betrugsmuster. Eine ausführliche Warnliste findest du beim Kredit ohne Schufa.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Mikrokredit und Minikredit? +
Der Minikredit ist ein privater Konsumkredit über 100 bis 3.000 Euro. Der Mikrokredit im engeren Sinn ist ein Förderinstrument für Kleinstunternehmen und Gründer, in Deutschland bis Ende Juni 2026 vor allem über den Mikrokreditfonds Deutschland mit Summen bis 25.000 Euro. Umgangssprachlich werden beide Begriffe aber gemischt verwendet.
Wer vergibt Mikrokredite in Deutschland? +
Für Unternehmen: bis zum 30. Juni 2026 akkreditierte Mikrofinanzinstitute in Zusammenarbeit mit der GRENKE Bank über den Mikrokreditfonds Deutschland, seitdem vergibt der Fonds keine neuen Kredite mehr. Für Privatpersonen übernehmen spezialisierte Kurzzeitkredit-Anbieter und Fintechs die Rolle des Mikrokredits.
Welche Konditionen hat der Mikrokreditfonds Deutschland? +
Neue Kredite vergab der Fonds nur bis zum 30. Juni 2026, seitdem sind keine Anträge mehr möglich. Zuletzt galten: Kredite von 1.000 bis 25.000 Euro, Zinssatz 8,1 Prozent p. a. plus 130 Euro Abschlussgebühr, Laufzeiten bis 4 Jahre. Die Kreditsumme konnte schrittweise aufgebaut werden, ein Folgekredit setzte sechs Monate störungsfreie Tilgung voraus, insgesamt maximal 25.000 Euro.
Bekomme ich als Privatperson einen Mikrokredit ohne Schufa? +
Ohne jede Bonitätsprüfung nicht. Kurzzeitkredit-Anbieter prüfen Schufa plus Kontoblick, sind aber toleranter bei schwachen Scores. Komplett schufafreie Kredite laufen über Auslandsbanken und beginnen meist erst bei 3.500 Euro.
Eignet sich ein Mikrokredit zur Existenzgründung? +
Ja, dafür wurde der Mikrokreditfonds geschaffen, neue Kredite vergibt er seit dem 30. Juni 2026 allerdings nicht mehr. Er richtete sich ausdrücklich an Gründerinnen und Kleinstunternehmen, die bei der Hausbank keine Finanzierung bekommen, auch an Solo-Selbstständige und Unternehmen mit Migrationsgeschichte.